Montag, 16. April 2005
Saarbrücken.
Die Szenerie im Keller
der Kulturgalerie „Die Winzer“ stimmt. Aus giftgrünen Gläsern spenden Kerzen
Licht. Die Erzähler Eugen Grittmann und Steffen M. Gresch
schaffen es mit der Kraft ihrer Stimmen, die Zuschauer das Gruseln zu lehren.
Einzig die bedrohliche Totenstille, von der in Edgar Allan Poes Erzählungen so
oft die Rede ist, fehlt an diesem Abend. Zu oft müssen die Erzähler gegen
Geräusche und Lärm ankämpfen. Die im Keller verlaufenen Wasserleitungen gurgeln
bedrohlich. Aus dem Lokal dringen Stimmen und Musik mitten in ihre Vorträge.
Steffen GreschDas
Abtauchen in die dunklen Abgründe, die sich in Poes Erzählungen immer wieder
auf schauerliche Art auftun, wird dadurch erschwert. Aber er wird nicht
unmöglich. Denn bei der „Edgar Allan Poe-Special
Night“ lesen Grittmann und Gresch nicht nur vor, sie
nehmen die Zuhörer mit auf die Reise. Ins Haus Usher
und zum Festgelage in die Gemächer des Prinzen Prospero zum Beispiel. Auch dort
macht der „Rote Tod“, der in der Stadt wütet, nicht halt. In schauerlichem
Gewand besucht er das Fest, alle Gäste sterben. Spätestens als Schauspieler
Steffen M. Gresch symbolisch eine Kerze auspustet und
Simon Löwenberg schaurig-schön die Violine anspielt, spürt man dann die
Gänsehaut, die Fans Edgar Allan Poes so lieben. fff
Kir Resonanz präsentiert die Edgar Allan Poe-Nacht nochmal am 12. Mai in der Kulturgalerie Die Winzer. Dann soll für eine bessere Akustik gesorgt sein.