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Montag, 18.März 2002

 

Es klappern die Gerippe

Lesung mit Gänsehaut-Garantie: Steffen Greschs

Grusel-Klassiker zur Mitternacht

Saarbrücken. Als die Haut des Schwindsüchtigen langsam von den Backenknochen durchbohrt wird, geht‘s noch. Doch als der hypnotisierte Sterbende mit schwarzer Zunge lallt und übel riechendes Blutwasser unter seinen Lidern hervorquillt, ist es vorbei. Keiner sagt was, doch das Publikum wirft sich mit rollenden Augen und angewidertem Gesichtsausdruck vielsagende Blicke zu.

„Der Fall Waldemar“ von Edgar Allan Poe hieß die erste Geschichte der „Saturday-Horror-Night“ im „Kunstwerk“, bei der Steffen Gresch um Mitternacht Klassiker und Märchen des Grusel-Genres vorlas. Die Erzählung von Herrn Waldemar, der sich in seiner Todesstunde hypnotisieren lässt, war nicht Jedermanns Sache. Viele fanden‘s nicht gruselig, sondern eher eklig. Aber wer sich auf die spannend erzählte, skurril-makabre Geschichte einließ, wurde von ihrer fast schon parapsychologischen Atmosphäre gefangen genommen und hätte sich nicht gewundert, wenn plötzlich die Aschenbecher über die Tische gewandert wären.

Zwischendurch entspannten Franz Müller und Hans Latour mit Bass und Gitarre und lässig-groovigen Klängen die Zuhörer. Ganz still ist es dann wieder in der „Gruft“, die nur von Kerzen beleuchtet ist, bei den übrigen drei Erzählungen. Nur vereinzelt sind das Knarren des Holzbodens und das Klicken der Feuerzeuge zu hören. In „Die Strafe nach dem Tode“, „Die Leichenfresserin“ und „Der singende Knochen“ klappern die Gerippe nur so, und Gänsehaut war garantiert.

„Ich wollte keine Effekt-Hascherei, sondern Werte transportieren“, meint Vorleser Gresch, „in den Märchen müssen Tiefpunkte überstanden werden, um zu einem guten Ende zu gelangen.“ Wie im richtigen Leben also. Und so schloss sich die Gruft erst, als die Leichenfresserin von ihrem Schicksal erlöst und der hinterrücks Ermordete zu seinem Recht gekommen war. Kathrin Werno

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