Donnerstag, 4. Mai 2006

 v.l.n.r. Steffen Gresch (Mozart),

Simon Löwenberg, (Virtuose)

und

Charles Robin Broad (Salieri)

 

Der konzentrierte Mozart

Von SZ - Mitarbeiterin

Kerstin Joost-Schäfer

Saarbrücken. Wenn drei mehr oder weniger beleibte Herren mit weißen Zopfperücken, Jabot-Hemden und samtenen Kniehosen im fünften Stock eines Altstadthauses Mozarts „Kleine Nachtmusik“ schmettern, hat das seinen Grund: Sänger und Pianist Charles Robin Broad, der Geiger Simon Löwenberg und der Erzähler Steffen Gresch proben ihr Programm zu Mozart, das am 6. Mai im Theater Blauer Hirsch erstmals aufgeführt wird. Der Titel „Mozart ohne Kugeln – Heiteres und Deftiges zum Mozartjahr“ spricht jedenfalls für sich.

In ihrer literarisch-musikalischen Collage gehen die drei Künstler respektlos mit dem Musikgenie und seinen Werken um. Ein „Opernführer“ der etwas anderen Art interpretiert etwa „Die Entführung aus dem Serail“ mit kleinen Anekdoten und Wortspielen. Und während „Così fan tutte“ auf dem Index des Jugendschutzes landet, findet die „Zauberflöte“ mit ihren nicht immer jugendfreien Szenen gerade noch Gnade unter den Augen der Künstler.

Wurde Mozart ermordet?

Das Trio geht auch der Frage nach, ob Mozart ermordet wurde: In einem Mikrodrama, als Tatort-Krimi in Fortsetzungen inszeniert, werden Gerüchte und Halbwahrheiten kriminalistisch aufgearbeitet. Eine ganze Puschkin-Oper, die sich mit diesem Thema befasst, hat Charles Robin Broad auf sechs Minuten eingedampft.

Das Publikum dürfte auch seinen Spaß haben, wenn Steffen Gresch aus den Mozart-Briefen zitiert. Neben den eher braven Mitteilungen an Vater und Mutter haben die an seine Base, teilweise im Fäkaljargon gehalten, die größere Berühmtheit erlangt. Mozart, der zuerst in die Schwester seiner späteren Frau verliebt war, die ihn jedoch abwies, hat sich bei der Base über diesen Liebesschmerz heftig und deftig ausgelassen. Charles Robin Broad haben diese

 

Briefe zu einer „Sauereienkantate“ inspiriert, bei der er natürlich Originalmusik von Mozart verwendet. Und wenn Broad dieses Stück mit seinem voluminösen Tenor anstimmt, dann wackeln die Wände. Dazu führt Simon Löwenberg den Geigenbogen und will damit dem gesprochenen Wort und den von Broad gespielten Akkorden am Klavier den letzten Schliff geben. Das vergnügliche Treiben beenden die drei mit einer „Kleinen Nachtmusik“. Der Abschluss des Programms wartet dann mit einer Überraschung auf.

Das Genie verstehen

„Mozart ohne Kugeln“ ist eine Produktion des Vereins „Kultur und Bewusstsein“, der sich für die Beschäftigung mit Kultur jeglicher Art und der Vermittlung von Wissen einsetzt. Die drei Künstler sind Mitglieder des Vereins und wollen mit ihrem Mozart-Programm auf unterhaltsame Art zu einem tieferen Verständnis für Person und Werk des musikalischen Genies beitragen.

Karten für die Aufführung am Samstag, 6. Mai, um 20 Uhr im Theater Blauer Hirsch gibt es bei Michael.Britz@t-online.de oder an der Abendkasse.

Bildunterschrift

Steffen Gresch, Simon Löwenberg und Charles Robin Broad (von links) präsentieren mit „Mozart ohne Kugeln“ das Genie mal deftig.                             Foto: Uli Barbian

 

 

 

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