
v.l.n.r. Steffen Gresch (Mozart),
Simon Löwenberg, (Virtuose)
und
Charles Robin Broad (Salieri)
Von
SZ - Mitarbeiterin
Kerstin
Joost-Schäfer
Saarbrücken. Wenn drei mehr oder weniger beleibte
Herren mit weißen Zopfperücken, Jabot-Hemden und samtenen Kniehosen im fünften
Stock eines Altstadthauses Mozarts „Kleine Nachtmusik“ schmettern, hat das
seinen Grund: Sänger und Pianist Charles Robin Broad,
der Geiger Simon Löwenberg und der Erzähler Steffen Gresch
proben ihr Programm zu Mozart, das am 6. Mai im Theater Blauer Hirsch erstmals
aufgeführt wird. Der Titel „Mozart ohne Kugeln – Heiteres und Deftiges zum
Mozartjahr“ spricht jedenfalls für sich.
In ihrer
literarisch-musikalischen Collage gehen die drei Künstler respektlos mit dem
Musikgenie und seinen Werken um. Ein „Opernführer“ der etwas anderen Art
interpretiert etwa „Die Entführung aus dem Serail“ mit kleinen Anekdoten und
Wortspielen. Und während „Così fan
tutte“ auf dem Index des Jugendschutzes landet,
findet die „Zauberflöte“ mit ihren nicht immer jugendfreien Szenen gerade noch
Gnade unter den Augen der Künstler.
Das
Trio geht auch der Frage nach, ob Mozart ermordet wurde: In einem Mikrodrama,
als Tatort-Krimi in Fortsetzungen inszeniert, werden Gerüchte und
Halbwahrheiten kriminalistisch aufgearbeitet. Eine ganze Puschkin-Oper, die
sich mit diesem Thema befasst, hat Charles Robin Broad
auf sechs Minuten eingedampft.
Das Publikum
dürfte auch seinen Spaß haben, wenn Steffen Gresch
aus den Mozart-Briefen zitiert. Neben den eher braven Mitteilungen an Vater und
Mutter haben die an seine Base, teilweise im Fäkaljargon gehalten, die größere
Berühmtheit erlangt. Mozart, der zuerst in die Schwester seiner späteren Frau
verliebt war, die ihn jedoch abwies, hat sich bei der Base über diesen
Liebesschmerz heftig und deftig ausgelassen. Charles Robin Broad
haben diese
Briefe zu einer „Sauereienkantate“ inspiriert, bei der er natürlich
Originalmusik von Mozart verwendet. Und wenn Broad
dieses Stück mit seinem voluminösen Tenor anstimmt, dann wackeln die Wände.
Dazu führt Simon Löwenberg den Geigenbogen und will damit dem gesprochenen Wort
und den von Broad gespielten Akkorden am Klavier den
letzten Schliff geben. Das vergnügliche Treiben beenden die drei mit einer
„Kleinen Nachtmusik“. Der Abschluss des Programms wartet dann mit einer
Überraschung auf.
„Mozart
ohne Kugeln“ ist eine Produktion des Vereins „Kultur und Bewusstsein“, der sich
für die Beschäftigung mit Kultur jeglicher Art und der Vermittlung von Wissen
einsetzt. Die drei Künstler sind Mitglieder des Vereins und wollen mit ihrem
Mozart-Programm auf unterhaltsame Art zu einem tieferen Verständnis für Person
und Werk des musikalischen Genies beitragen.
Karten für die Aufführung am Samstag, 6. Mai, um 20 Uhr im
Theater Blauer Hirsch gibt es bei Michael.Britz@t-online.de
oder an der Abendkasse.
Steffen Gresch,
Simon Löwenberg und Charles Robin Broad (von links)
präsentieren mit „Mozart ohne Kugeln“ das Genie mal deftig. Foto: Uli Barbian