Zeitung für Saarbrücken / Kultur-Regional
Schwämerische Naturschilderungen und
spöttische Menschen-Betrachtungen: Darin war Heinrich Heine ein Meister.
Steffen Gresch rezitierte nun im Kulturclub "Die Winzer" Heines
Harzreise.
Saarbrücken. Man hätte den beiden ein paar
Zuhörer mehr gegönnt im Kunst- und Kulturclub "Die Winzer". Dort
brachen am Freitag Steffen Gresch und Simon Löwenberg auf zu Heinrich Heines
"Harzreise". Im Marschgepäck: Eine Strichfassung von Heines Fragment,
…und drei Romanzen von Heines Zeitgenossen Robert Schumann, der im gleichen
Jahr, 1856, verstarb. Die ursprünglich für Klavier und Violine komponierten
Stücke hatte Löwenberg für Geige solo bearbeitet…; bei der Interpretation… traf
er den angesagt seelenvollen, romantisch schwelgerischen Ton.
Trotz des intimen Rahmens beharrte Gresch auf würdevoller
Zelebrierung …- am besten war er dann - wenn er sich von der Begeisterung über
den Text fortreißen ließ und spontan und befreit draufloslas.
Und es ist leicht, von Heines 1826 veröffentlichtem Reisebericht entzückt zu sein: In Prosa, ergänzt um einzelne Gedichte, beschreibt er differenziert seine Wanderung von Göttingen über Goslar zum Brocken und weiter. Da stehen ungehemmt schwärmerische Naturschilderungen nebst spöttischen Betrachtungen über lästige Charaktere und die menschliche Dummheit. Wir begegnen etwa einem "Klugscheißer mit wampigem Gesicht, der aussieht, als ob er die Viehseuche erfunden hätte", einer "Brust, trostlos wie die Lüneburger Heide" und Knaben, die den Wanderer vor "dummen Kropfleuten und weißen Mohren" (Albinos) warnen. Ein pralles, feinsinnig vergnügliches Panoptikum, das Heines Meisterschaft als Erzähler unterstreicht.
kek (Text wurde leicht gekürzt.)