Saarbrücker Zeitung - LogoMontag 12.März.2001 Kultur Regional

 

Ein sehenswerter Grenzgänger

Steffen Gresch meistert den Weg "Zurück ins Leben"

"Es ist gut zu wissen, dass ich manches nicht hätte wollen sollen." Späte Einsicht Andrej Kowrins, Protagonist von "Zurück ins Leben" . Doch Kowrin wollte sie unbedingt, seine Halluzination, eine verhängnisvolle Variante von "Mein Freund Harvey" . Mit dem beharrlichen Festhalten am "Schwarzen Buddha" , dem Geist, den er rief, startet er in pathologischer Hybris eine gefährliche Gratwanderung, einen Balance-Akt zwischen Leben und Tod. Das "Literarisch-psychologische Schauspiel in zwei Akten" , so der Untertitel von Steffen Greschs freier Bearbeitung von Anton Tschechows Novelle "Der schwarze Mönch" , wurde am Samstag im Dudweiler Statt-Theater uraufgeführt. Eine schauspielerische Tour de Force mutet sich Gresch, der auch noch selbst Regie führt, hier zu - und er meistert die Herausforderung bravourös. Die Personalunion verlangt, in mehrere Rollen gleichzeitig zu schlüpfen und zusätzlich imaginäre Partner auf der karg bestückten Bühne anzuspielen. Ein rascher Wechsel von Körperhaltung, Position, Requisite und Sprachduktus genügt da völlig. Greschs ohnehin leicht singender Tonfall sorgt für ein unaufdringlich russisches Kolorit; den Off-Erzähler gibt er ebenso unaufgeregt, wie er stoisch den salbadernden Mönch verkörpert. Behutsam, Schritt für Schritt lässt er den praktizierenden Psychologen, denn um einen solchen handelt es sich, offenen Auges der Hysterie entgegen steuern. Kowrin gefällt sich in der Pose des auserwählten Übermenschen, in der ihn sein visionärer Verführer fortwährend bestärkt; er weidet sich an der Überzeugungskraft der eigenen Fantasie. Den schleichenden Wahnsinn verdeutlicht Gresch optisch: Verwahrlosung der Kleidung, aufgelöstes Zottelhaar, verrutschte Brille. Endstation Sanatorium. Akustische Unterstützung erhält Steffen Gresch immerhin: Daniel Minnerath und Dirk Jungmann haben Klangcollagen eingespielt, die zwischen den einzelnen Szenen wirkungsvolle Zäsuren setzen. Ob Kowrin je wieder "zurück ins Leben" entlassen wird, bleibt am Schluss offen. Sicher ist jedoch, dass Greschs fesselnde Studie über Grenzgänge zwischen Fantasie und Wahnsinn vollere Zuschauerränge verdient hätte. KERSTIN KRÄMER ¦