Saarbrücker Zeitung

Partner von: Sol

Montag, 2. FEBRUAR 2009

Zeitung für Saarbrücken, Kultur-Regional

Deutsch-deutsche Befindlichkeiten und Verstrickungen

Saarbrücken. Um deutsch-deutsche Befindlichkeiten und Verstrickungen ging es im 11. Literatur-Salon bei den "Winzern", veranstaltet zusammen mit Kir-Resonanz und dem Literarischen Zirkel.
In der leider nur spärlich besuchten Veranstaltung las Steffen Gresch zusammen mit Nelia Dorscheid sein Stück "Das Meer schluckt auch uns Helden". Auf einem Traumschiff landen ein Mann und eine Frau nach fröhlicher Zecherei in der Kajüte und finden raus, dass sie sich schon mal getroffen haben. Damals im Osten, 85 in einer Warhol-Ausstellung in Dresden. Sie sinnieren über ein Autorentreffen in Weimar, wie ein Trotzki-Buch für ihn den Parteiaustritt brachte, wie sie beide weggingen, noch vor der Wende. Zwei Unstete, Unbehauste sind sie, passend also ihr Zusammentreffen auf einem Schiff. Für beide ist ihr kleines Land unerreichbar geworden, nie können sie mehr ihr Heimweh stillen. Denn das Vertraute ist fern und inzwischen ohnehin ganz verändert.
Greschs Stück ist tief ironisch und komisch, zeitkritisch und emotional erzählt. Unterfüttert mit eigenen Erfahrungen des in Quedlinburg geborenen Autors, der lange in Leipzig gelebt hat, Mitbegründer einer Oppositionsgruppe war und 1987 nach West-Berlin ging. In verteilten Rollen lesen und spielen er und Dorscheid den Bernhard Schönbaum und die Undine Rebstock, die so viele Illusionen hatten, das Paradies suchten und im herzlosen Raubtierkapitalismus landeten, der sie nun zu fressen droht.
Dorscheid und Gresch bringen den mit Seemannsgarn und Nixengeschichten angereicherten Zweiakter über die beiden Misfits, die Kosmonauten auf unbekannter Umlaufbahn, gefühlvoll und unterhaltsam rüber. Am Schluss werden Träume und Hoffnungen im Suff ertränkt oder auch im Meer. Ungewiss, ob es da noch mal ein Auftauchen gibt. rr

Zurück